Unsere Eurasier-Geschichten...

Von Experten und echten Experten

„Schäferhunde“ erklärte mir der Mann im grünen Zwirn beim
Schützenfest, „das sind die besten Tiere überhaupt“. Ich nickte
vielsagend, denn erstens war ich knappe acht Lenze alt, auf einem
Schützenfest und stand neben einem dicken Bauch voller Orden mit einem
roten Kopf darüber.

Der Mann musste ein Experte sein !


Mitte der siebziger Jahre, mitten auf dem Dorf. Das größte Ereignis im
Jahr war das Schützenfest.
Kleine Kinder durften Karussell fahren, ältere bereits in den Autoscooter.
Schlimm war es für die Kinder, deren Freunde in den Autoscooter
durften, selbst aber noch in das Karussell mussten. Das hämische
Gespött der Klassenkameraden war diesen für die nächsten Tage
gesichert.
Nun - ich stand jedenfalls am Biertresen und schlürfte meine Cola, der
dicke Bauch mit dem Kopf darüber delektierte das sechste bis zwölfte
Bier und erklärte mir -leicht schwankend- die Welt.
„Cola ist ungesund“ brabbelte der Bauch mit zunehmend unklarer
werdender Aussprache.
„Mein Hund“ er sah mich an, „würde für mich alles tun.“ Er bestellte
einen klaren Korn hinzu, „und wenn ich „Sitz“ sage, dann bleibt der
sitzen auch wenn das Haus abbrennt“.
Ich nickte wieder und frug mich, welcher Hund derart dämlich sein
würde in einem brennenden Haus zu bleiben, nur weil der Bauch es
sagte. Die Antwort schob er dann gleich hinterher, „denn ich bin
Experte für Schäferhunde“.

Zwei Vorsätze habe ich an diesem Tage gefasst:
1. Niemals eine derartige Gewichtskonzentration in der Körpermitte.
2. Auf gar keinen Fall wollte ich später einen Schäferhund haben.

Nun- zumindest das erste Ziel habe ich klar verfehlt. Was mir aber
klar wurde, war:Experten gibt es, aber auch spezielle Experten. Diese
„Speziellen“ sind wie Schach- oder Tennisspieler: es gibt sie nur im
Paar, denn diese Spezies benötigen immer auch ein Opfer welches dem
Redeschwall ergriffen lauscht. Bei dem sprechenden Bauch war ich
dieses Opfer geworden.
Jahre später erklärte mir meine Mutter, in unserer Region könne man
keine Kiwis anbauen, es sei schlicht zu kalt. Nun ist meine Mutter
eine herzensgute Frau, trotzdem würde ich ihr durchaus zutrauen einen
Baum mit der Krone nach unten einzupflanzen. Abgehalten hat mich der
Expertenrat folglich nicht, und ein großes Glas Marmelade aus eigenen
Kiwis bekommt sie trotzdem jedes Jahr.

Diese Art von Experten gibt es -natürlich- nur im Ausland, niemals in
Hundevereinen und schon gar nicht bei Eurasiern. Deswegen werden wir
auch nie erleben wie in einer VDH-Eurasiergazette auf Seite zwei der
Vorstand die (eigene) Arbeit bejubelt, auf Seite sechs den fast
drohenden Bankrott erklärt um auf Seite neun die - im wahrsten
Wortsinne- hundsmiserable Welpenbilanz offenbart.

Eine andere, sehr spezielle Expertin -nennen wir die Dame einfach Frau Hering- hat mir vor Jahren einmal die Vererbung der Welpenbeißerei erklärt. Das sei genetisch bedingt, ich solle manche Rüden besser meiden. Zum Glück muss das entsprechende Gen beim Deckakt im Urlaub gewesen sein (vermutlich zum Anti-Stresstraining in der Toskana).

Die Welpenbeisserei jedenfalls ist beim A-Wurf seinerzeit ersatzlos ausgefallen. Vielleicht haben sich auch die Gene geirrt, die spezielle Expertin jedenfalls sicherlich nicht.

Bei dem aktuellen B-Wurf wurde mir von einem ausgewiesenen
Hundeversteher erklärt, es werde „todsicher“ Schwierigkeiten geben
wenn eine weitere Hündin sich der Wurfkiste auch nur nähere. Bei einem
Blick auf den Deckrüden bekam ich zusätzlich die (unverlangte)
Prognose, da würde sich wohl das wolfsgrau durchsetzten. Auch
mindestens ein roter Welpe werde „sicher“ darunter sein.

Wie gesagt- spezielle Experten irren nie. Während ich diesen Text
schreibe liegen die kleinen Welpen in der Wurfkiste neben mir. Sieben
Welpen, sechs davon schwarzmarken. Enya säugt , während unsere zweite
Hündin direkt daneben liegt und die Welpen sauber leckt. Ich hoffe
inständig, der Experte sagt ihnen nicht, das das so absolut nicht sein
darf...

Wenn Sie also Fragen haben sei es zur Quantenphysik, der
Literaturgeschichte Tasmaniens oder auch nur warum Schlaghosen &
Plateauschuhe auch bei Männern „in“ sein können dann fragen Sie ruhig
mich. Ich bin da wirklich ein „echter“ Experte.


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